Wolfgang Anger beendete am 30. April nach zwölf Jahren seine Amtszeit als erster Bürgermeister von Lülsfeld. Davor war er bereits genauso lange Gemeinderat.

Im Interview blickt er auf diese Zeit zurück und gibt einen Ausblick auf seine Zukunft.

Was hat Sie 1996 bewogen sich politisch zu engagieren und für die Belange Ihrer Mitbürger einzusetzen?

Wolfgang Anger: Durch meine leitende Stelle im Sportverein hatte ich schon vorher Kontakt zum Gemeinderat zum Beispiel um über finanzielle Unterstützungen zu verhandeln. Dazu kam mein Interesse am Wohl der Gemeinde. Da ich 1990 bereits erfolglos für das Amt des Gemeinderats kandidiert hatte wollte ich es nun noch einmal wissen. Politisch engagiert war ich bereits seit längerer Zeit im Bund Naturschutz.

 

Kurz nachdem Sturmtief „Emma“ in Lülsfeld hohe Schäden hinterlassen hatte konnten Sie sich mit nur rund 5% Vorsprung gegen ihrem Konkurrenten Erwin Fackelmann durchsetzen. Was waren ihre ersten Gedanken nach dem Sieg?

Anger: Schön, dass ich es geschafft habe die erste Person in der Gemeinde zu sein und das gesetzte Ziel erreicht zu haben. Ich war ein bisschen unsicher, wie ich angenommen würde. Das hat sich aber schnell gelegt, da mich die Bevölkerung freundlich aufgenommen hat.

 

Erinnern Sie sich noch an den ersten Mai 2008 und was haben Sie als erster Bürgermeister zuerst gemacht?

Anger: Dringlichste Aufgabe war es damals die Spendenaufteilung für die Geschädigten des Sturmtiefs „Emma“ zu erstellen. Bei dieser Aufgabe war ich als frischgebackener Bürgermeister auf mich alleine gestellt. Mir ging es vor allem um eine gerechte Verteilung des verfügbaren Betrags an alle Opfer.

 

Was haben Sie von Ihrem Vorgänger Robert Schemmel gelernt?

Anger: Robert Schemmel war sehr akribisch in seiner Arbeit und hat sein Amt vorbildlich ausgefüllt. Er hat seine Projekte mustergültig verfolgt und umgesetzt. Wichtig war ihm und war auch mir die gute Zusammenarbeit mit der Bevölkerung in Schallfeld.

 

Was hat Sie als Bürgermeister ausgezeichnet?

Anger: Persönlich wichtig war es mir die Gemeinde voran zu bringen. Deshalb lagen mir Projekte wie die Fahrradweganbindung und der Breitbandanschluss besonders am Herzen. Außerdem haben die Vereine und der Kindergarten bei mir eine große Aufmerksamkeit genossen. Ich habe unabhängig nach Ortsteil sofort da angepackt, wo es nötig war. Ich habe mich stets als Diener der Bürgerinnen und Bürger gesehen. Das Wohl der Gemeinde hatte immer erste Priorität.

 

Welche persönlichen Stärken haben Ihnen dabei geholfen?

Anger: Diese Beurteilung möchte ich anderen überlassen (…lacht). Geradlinigkeit und konsequente Zielverfolgung.

 

Was waren für Sie die wichtigsten Projekte Ihrer Amtszeit?

Anger: Die Neugestaltung des Kindergartens mit dem Anbau und der Erweiterung der Kleinkindgruppe. Die Beschaffung von zwei Tragkraftspritzenfahrzeugen für beide Ortsteile der Gemeinde und die Schaffung neuer Baugebiete wie beispielsweise „Schleifweg II“. Nach anfänglich geringer Nachfrage setzte dann doch ab 2014 ein richtiger Bau-Boom ein. Ein Großteil der neuen Bauplätze ist inzwischen verkauft und teilweise schon bebaut. Wichtig war mir auch der Bau des Radwegs zwischen Schallfeld und Lülsfeld. Nicht wegen der Größe des Projekts, sondern als symbolische Verbindung zwischen den beiden Orten.

 

Gab es auch negative Erfahrungen?

Anger: Ja, ich bin tief enttäuscht darüber, dass die Bürger dem verdienten und stark engagierten Gemeinderatsmitglied Christian Pfaff bei der letzten Wahl das Vertrauen verweigerten. Auch mir erging es bei der Kommunalwahl 2014 so. Obwohl ich als einziger Kandidat für meine Wiederwahl kandidierte und in den Vorjahren nachweislich mehr Projekte im Ortsteil Schallfeld umgesetzt wurden verweigerten mir viele Schallfelder ihre Stimme. Das hat mich schon persönlich getroffen.

 

Zu Beginn Ihrer Amtszeit hat Emma ihre Gemeinde beschäftigt. Jetzt, wirkt sich „Corona“ prägend auf die ganze Menschheit aus. Sehen sie parallelen?

Anger: 2008 begann meine Amtszeit als Bürgermeister mit einem außergewöhnlichen Naturereignis und jetzt endet sie damit. Als ich am Ersten März 2008 in die Rimbacher Straße kam, dachte ich es sei ein Krieg ausgebrochen. Durch den großen Arbeitseinsatz der Bevölkerung aus Lülsfeld und Schallfeld wurden die Schäden jedoch sehr schnell beseitigt. Die Corona-Krise kommt mir irreal vor. Sie lähmt und wird uns noch auf Jahre beschäftigen.

 

Was geben Sie ihrem Nachfolger Thomas Heinrichs mit auf den Weg?

Anger: Ich wünsche Ihm eine glückliche Hand um sein Amt im Sinne und zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger ausfüllt und dass ihm trotz der Corona Krise auch die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen um die Gemeinde weiter voran zu bringen.

 

Bürgermeisteramt, Beruf, Aktivitäten im Sportverein und somit kaum noch Zeit für Hobbys - Hatte da Ihre Familie manchmal das Nachsehen?

Anger: Bei mir war die Familie immer mit einbezogen. Sowohl meine Frau Gaby als auch meine Söhne als sie noch mit mir unter einem Dach wohnten.

 

Können Sie Beispiele nennen?

Anger: Als ich abends nach der Arbeit nach Hause gekommen bin lag da oft ein Zettel neben dem Telefon, mit dem mich mein Sohn Markus auf einen Anruf hinwies. Meine Frau erinnerte mich regelmäßig an Geburtstage von Mitbürgern. Ohne ihre Unterstützung hätte ich sicher den ein oder anderen Termin verpasst.

 

Wird Ihnen demnächst langweilig?

Anger: Nein.

 

Eine schnelle und klare Antwort. Möchten Sie das noch konkretisieren?

Anger: Ich habe die letzten Jahre sehr wenig Wert auf mein eigenes Haus gelegt. Jetzt soll es saniert werden. Neue Heizung und neues Dach. Als gelernter Handwerker freue ich mich auf das genaue Gegenteil von Sitzungen, Besprechungen und Dienstanweisungen. Außerdem ist ein erstes Enkelkind gerade geboren. Hier möchte ich sehr gerne einen Teil der gewonnenen Zeit investieren.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

140316 Bürgermeister

Lülsfelds langjähriger Bürgermeister Wolfgang Anger wird nach seiner Wiederwahlt 2014 von Ewald Weisenseel gratuliert.