LÜLSFELD (fi) Ihre Namen lesen sich wie die Aufstellung einer spanischen Fußball-Nationalmannschaft: „Fabregas“, Ronaldinio“, „Fernandez“ oder „Torres“. In der Tat haben sie auch ganz verschiedene Stärken auf dem Feld, allerdings nicht auf dem Fußball-, sondern auf dem Maisfeld.

Die genannten Namen stehen für derzeit erfolgreiche Maissorten, die Norbert Sahlmüller als Vertreter der Kleinwanzlebener Saatzuchtbetriebe (KWS) gut 30 Landwirten auf dem Versuchsfeld von Roland Bauer in Lülsfeld vorstellte. KWS ist deutschlandweit führend in der Saatgut-Entwicklung.

Wer als Laie in die Maisreihen auf dem Feld schaut, der erkennt kaum Unterschiede zwischen „Ronaldinio“ und Co. Der Fachmann aber erklärt, dass die sehr wohl sehr groß sein können. So gibt es für schwere Böden ganz andere Sorten-Favoriten als für leichte. Dann kommt es darauf an, was der Landwirt mit dem Mais machen will, also ob er ihn als normalen Futtermais, als Silage oder für die Biogasanlage haben will.

„Ronaldinio“ und „Torres“ sind die Stars in der Mannschaft der Maissorten. „Ronaldinio“ bringt gute bis sehr gute Erträge bei der Trockenmasse, hohe Erträge bei der Stärke und beim Kornpotenzial und eignet sich für verschiedenste Standorte. Bei „Torres“ ist darüber hinaus die Verdaulichkeit beim Vieh sehr gut. Er mag allerdings keine schweren und kalten Standorte.

Für schwere Böden am schattenreichen und kühlen Waldrand sieht Sahlmüller „Padrino“ in der Favoritenrolle. Ein bisschen Spekulation gehört auch dazu, wenn sich der Landwirt für eine Sorte entscheidet. Erwartet er ein trockenes Jahr, dann ist er mit „Sileno“ richtig beraten, der auch bei trockener Hitze immer noch ein gutes Ernteergebnis bringt.

Für die Biogasanlage ist „Fernandez“ eine gute Wahl. Mithalten können „Deco“ und „Cannavaro“. „Da geht es nur um Masse“, sagt Sahlmüller. Bei Silomais sieht der Experte aus Schallfeld die neue Sorte „Cassilas“ vorne.

Sahlmüller ließ auch das bisherige Maisanbaujahr Revue passieren. Der Dauerfrost im Winter war nicht optimal, denn wenn der Boden locker werden soll, braucht es den Wechsel zwischen Frost und milderen Phasen. Die Aussaat gelte es früh im Jahr in den Boden zu bringen, weil sich dann die Wurzeln besser ausbilden.

Ein „Riesenproblem“ ist in diesem Jahr der Maiszünsler. Betroffen sind alle Sorten, und das in ganz Unterfranken, so Sahlmüller. Die Flugzeit des Insekts hat sich heuer völlig verzettelt, so dass der Landwirt dauernd hätte spritzen müssen. Bei der Schädlingsbekämpfung müssten alle mitmachen wegen der Feldhygiene. Mit der Ernte gelte es jetzt nicht zu lange zu warten, sonst könnte der Zünsler sein Werk doch vollenden.

Eingeladen zu der Informationsveranstaltung, die es seit 16 Jahren gibt, hatte die Raiffeisenbank Frankenwinheim. Deren Vorstandsvorsitzender Gerhard Böhm erklärte, beim Mais-Saatgut hätten nur fünf Sorten 80 Prozent des Absatzes ausgemacht. Den Löwenanteil verbuchte „Torres“ mit alleine 30 Prozent.

Martin Moll von der BASF berichtete, neben dem Zünsler haben heuer auch Wurzelunkräuter wie Distel, Winde, Ampfer, Knöterich und immer stärker die Hirse dem Mais zu schaffen gemacht. Starker Druck sei nicht nur beim Mais durch die Blattlaus gekommen.

Bildunterzeile:
Norbert Sahlmüller, umrahmt von den aktuellen „Stars“ im Maisanbau, den Sorten Ronaldinio und Torres. Beim Maistag in Lülsfeld gab der Experte Tipps für den Mais von der Aussaat bis zur Ernte. Foto: Norbert Finster

Quelle: Mainpost

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