LÜLSFELD. Die Lülsfelder hatten am Sonntag nach der Verwüstung der Ortschaft durch den Orkan „Emma“ gerade den ersten Schock verdaut, da traf sie die nächste Heimsuchung, diesmal die der von Tausenden von „Gaffern“. Zu allem Überfluss spielte am Montagmorgen auch das Wetter mit starkem Regen gegen die betroffenen Haus- und Hofbesitzer. Beim Deutschen Wetterdienst geht man davon aus, dass Lülsfeld von einem „Downburst“-Gewittersturm getroffen wurde.

Die Auswirkungen dieser Gewitterfallböen sind identisch mit denen von Tornados, dem englischen Wort für Windhosen. Windgeschwindigkeiten von 150 bis 200 Stundenkilometern sind beim Downburst keine Seltenheit.

Gut und gern 5000 bis 6000 Fremde drängten am Sonntag mit ihren Autos in den Ort, um die Schäden anzuschauen und abzulichten. Den ganzen Tag über boomte der Schaulustigen-Tourismus. Die Besucher kamen aus ganz Unterfranken, wie die Kennzeichen verrieten.

Im kleinen Neubaugebiet „Am Schleifweg“ ging bald nichts mehr. Ständig kamen weitere Neugierige hinzu und fragen die Einheimischen, wo denn dieses und jenes beschädigte Anwesen zu finden ist. Viele empfanden den Ansturm als „nur noch nervig“.

Im Dorf wurde derweil am Montagmorgen schwerstes Gerät inklusive Kranwagen aufgefahren, um die Schäden zu beseitigen. Allerorten wird aufgeräumt, werden die Dächer gelattet und gedeckt. Viele Grundstücke sind abgesperrt – Betreten auf eigene Gefahr“. So richtig losgehen kann es jedoch erst, wenn die Sachverständigen der Versicherungen ihre Arbeit verrichtet haben.

Sabine und Stephan Plötz sind mir ihren zwei Kindern erst einmal nach nebenan zu ihren Eltern gezogen. An dem Neubau hatte, wie berichtet, der Sturm das Dach mit dem Kinderzimmer von Sohn Marius (7) halbseitig „aufgeklappt“.

Sabine Plötz: „Wir warten gerade auf den Statiker. Dann wird sich entscheiden, ob der Dachstuhl doch noch repariert werden kann, oder ganz neu aufgesetzt werden muss, wonach es derzeit mehr aussieht. Wenn er wieder drauf ist, wollen wir wieder ins Haus zurück“.

Die nächsten Tage werden ferner mit dem Besuch der Gutachter der Wohngebäude-, Hausrat- und Haftpflichtversicherungen ausgefüllt sein. Sabine Plötz: „Dann wird sich erweisen, ob alles glatt läuft“.

Als wenn nicht alles so schon schlimm genug wäre, fing es am Montagmorgen auch noch stark zu regnen an. Auch bei der Familie Plötz drückte das Wasser ins Innere. Schnell wurden – nicht nur hier – weitere verfügbare Planen und Folien aufgezogen.

In Ergänzung unserer Reportage informierte uns Michaela Wolf, dass im Neubaugebiet „Schleifweg“ auch ihr Anwesen so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass sie einen komplett neuen Dachstuhl auf der Garage benötigen. Das THW sicherte ihn vor den „Nachwehen“. Das Haus wurde zur Hälfte abgedeckt und die sandgestrahlten Fenster auf der Wind zugewandten Seite wurden von Ziegelstücken beschädigt.

Die Lülsfelder Feuerwehr wird dieser Tage noch einmal den betroffenen Familien gezielt ihre Hilfe anbieten.

Vor allem Dachdecker waren nach den schweren Sturmschäden am Samstagmorgen im Raum Gerolzhofen gefragt. „Um 8.15 Uhr ging es richtig los. 72 Hausbesitzer riefen an und meldeten Schäden an ihren Gebäuden. Ab 9.30 Uhr, als der schlimmste Sturm vorbei war, haben wir mit acht Mann bis abends gearbeitet, um wenigstens die Wohnhäuser wieder dicht zu bekommen. Mit den Sturmschäden werden wir noch eine Woche zu tun haben“, sagte am Sonntag Dachdeckermeister Alexander Erk von der Firma Pöschl-Erk in Frankenwinheim, dem größten Dachdeckerbetrieb in Gerolzhofen und Umgebung.

Er und sein Vater Richard hätten den ganzen Tag damit zu tun gehabt, die Schäden aufzunehmen, Dächer zu sichern, damit keine weiteren Ziegel herunterfallen und die Arbeiter dort einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht wurden. Etwa 20 bis 25 Dächer hätten sie bis abends geschafft. Bei Dächern von Scheunen und Nebengebäuden wurden nur erste Sicherungsarbeiten erledigt. Zu mehr reichte die Zeit nicht.

Allein in Lülsfeld war die Firma mit vier Mann im Dauereinsatz. Aber auch aus Traustadt, Hundelshausen, Dampfach oder Dingolshausen gingen etliche Anrufe ein.

„Es waren nicht so viel wie beim letzten Orkantief 'Kyrill“ (Januar 2007), aber die einzelnen Schäden lagen höher“, sagt Alexander Erk. „Es wird noch bestimmt die ganze Woche durchgehen mit Sturmschadensbehebungen“, meint der Dachdeckermeister. Alle in dem 12-Mann-Betrieb haben also durch „Emma“ eine Menge Zusatz-Arbeit.

Auf eine spontane Initiative junger Frauen aus Lülsfeld ist es gestern unter Einschaltung von Landratsamt und Gemeinde zur Einrichtung eines Spendenkontos gekommen, um besonders den Betroffenen, die unter- oder nicht versichert sind, schnell helfen zu können. Tanja Braun von den Initiatorinnen: „Wir wissen, dass viele auf diese Art und Weise helfen wollen“.

Unter dem Stichwort „Sturm Emma“ können Spenden auf das folgende Spendenkonto der Gemeinde Lülsfeld überwiesen werden: Kontonummer 8289969, Bankleitzahl (BLZ) 793 501 01 (Sparkasse Schweinfurt).

Quelle: Mainpost

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