LÜLSFELD. Mit Donnerschlägen und Blitzen, sprich einem Gewittersturm, kündigte sich am Samstag gegen 8.15 Uhr im Raum Gerolzhofen das Orkantief "Emma" an. Besonders schwer getroffen wurde die Ortschaft Lülsfeld. Hier herrscht seitdem Ausnahmezustand. Der Schaden geht in die Millionen.

Mit Donnerschlägen wie bei einem Feuerwerk sowie mit Blitzen und Hagel kündigte sich am Samstag gegen 8.15 Uhr in und um Gerolzhofen das Orkantief "Emma" an. In Lülsfeld herrschte danach Ausnahmezustand. Es regnete Hoftore, Ziegel und Photovoltaikanlagen. Die Ortschaft bot und bietet ein Bild der Verwüstung, sah nach diesem Luft-Angriff aus wie wenn eine Bombe oder Rakete eingeschlagen hätte. Ein Dorfbewohner: "Ich schaute zum Fenster hinaus. Plötzlich gingen die Ziegel hoch wie ein Vogelschwarm. Ich sagte zu meiner Frau: Jetzt geht die Welt unter".

Das Unglück nahm seinen Lauf in Form einer Windhose, die sich aus Richtung Nordwesten mit rasender Geschwindigkeit und brutaler Kraft schräg durch das Dorf fraß. Erstes kleineres Hindernis, das der Orkan mit Leichtigkeit aus dem Weg räumte, war das Einfamilienwohnhaus von Rektor Alfred Bauer am Ortsrand nach Rimbach. Hier wurde vor allem das Dach schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Fast zeitgleich macht sich "Emma" über die drei langen, mit großen Photovoltaikanlagen bestückten landwirtschaftlichen Hallen von Bürgermeister Robert Schemmel her. Mit ungeheuerer Wucht drückte "Emma" die Torfronten auf, hob die kompletten Dächer aus den Verankerungen und riss die Module der Photovoltaikanlage mit sich. Von den Teilen getroffen wurde zunächst das Wohnhaus Schemmels, der angesichts der Verwüstung seines Hofes sichtlich gezeichnet war.

Am schlimmsten erwischte es unmittelbar danach das Kloster Maria Schnee auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo vor allem die mit ungeheuer Wucht hochgewirbelten Hallen- und Scheunentore gegen Dach und Fassade wie ein großer Vogel gegen ein Fenster klatschten und abprallten. Die Fassade wurde auf einer Länge von 70 Metern beschädigt. Jede Menge Fenster gingen zu Bruch. Derweil hat es den gesamten Dachstuhl gehoben, wovon die Risse im Gebälk Zeugnis ablegen. Der Glockenturm wurde komplett abgerissen. Zahlreiche Autos, deren Besitzer im Kloster ein Seminar besuchten, wurden von herumfliegenden Teilen beschädigt. Nicht minder schwer beschädigt wurde zugleich das Anwesen von Hans Landauer linker Hand vom Kloster.

Nachdem sich "Emma" noch an mehreren Hallen und Scheunen, u.a. der von Elmar Scheder, schadlos gehalten und diese abgedeckt hatte, kam es zum Frontalangriff auf das neue Einfamilienhaus der Familie Plötz sowie auf das gleich über der Straße liegende ebenfalls neue Eigenheim der Familie Straub, jeweils im Baugebiet "Schleifweg" im rückwärtigen Bereich der Straße nach Rimbach.

Der Orkan schlitzte unter Zuhilfenahme von Trümmern der Schemmel'schen Photovoltaikanlage, die inzwischen gut und gerne 300 bis 400 Meter durch die Luft geflogen waren, das Dach der Eheleute Plötz regelrecht auf. Das Kinderzimmer stand anschließend im Freien. Ziegel, Dachstuhl, Lattung, Isolierung, Tapete und was sich dem Sturm sonst noch in den Weg stellte, wurde wie von einem Monstertruck oder Eisbrecher weggedrückt. Glück im Unglück hatten die beiden Kinder von Stephan und Sabine Plötz. Sie waren kurz zuvor in die Küche nach unten gegangen. Sabine Plötz: „Wir dachten das ganze Haus stürzt ein. Es war das Schrecklichste was ich jemals erlebt habe“.

Doch noch hatte "Emma" ihren Hunger nicht gestillt. Bevor sie sich aus Lülsfeld verabschiedete hinterließ sie im Wald auf der linken Seite der Straße nach Järkendorf ihren letzten Gruß, indem sie nochmals eine Schneise der Verwüstung zog und die Bäume wie Streichhölzer umknickte oder entwurzelte.

Wer aber dachte, Lülsfeld sei nun wie gelähmt, der täuschte sich. Auf den ersten Schock folgte innerhalb kürzester Zeit eine Welle der Hilfsbereitschaft und es kam zu einer beispiellosen Gemeinschafts- und Nachbarschaftsaktion, an der neben der Feuerwehr aus Lülsfeld, die von der Stützpunktfeuerwehr und dem THW aus Gerolzhofen sowie der Feuerwehr aus Schallfeld unterstützt wurde, nicht nur die Lülsfelder selbst, sondern vor allem auch viele Schallfelder beteiligt waren.

Ob Hänger, Hammer oder Motorsäge alles wurde herangeschleppt, um die Dächer abzudichten und die gröbsten Schäden zumindest erst einmal provisorisch zu beseitigen. Die Überlandzentrale Lülsfeld stellte ihren Hubsteiger. Neben rund 100 Einsatzkräften auf Seiten von Feuerwehren und THW packten so noch einmal gut 150 Freiwillige aus Lülsfeld und der Brudergemeinde Schallfeld an, um in der von Ziegelscherben, zerplatzten Scheiben sowie Plastik- und Blechfetzen übersäten Ortschaft aufzuräumen.

Wie groß das ganze Ausmaß der Verwüstung ist, das lässt sich im Moment in Lülsfeld noch gar nicht abschätzen. Der Schaden an den Gebäuden geht aber mit Sicherheit in die Millionen. Und dass keine Personen verletzt oder von den wie Geschosse durch die Luft wirbelnden Gegenständen getötet wurden, grenzt fast an ein Wunder. Auch Landrat Harald Leitherer machte sich ein Bild von der Lage vor Ort.

Quelle: Mainpost

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