LÜLSFELD. Sie wollen beide das gute Verhältnis zwischen Lülsfeldern und Schallfeldern weiter pflegen, das in der Amtszeit von Bürgermeister Robert Schemmel entstanden ist. Sie wollen sowohl neues Bauland erschließen als auch darauf achten, dass die Baulücken in den Altorten nicht zu groß werden. Und sie wollen unisono die Wasserversorgung in Schallfeld verbessern und die Vereins- und Jugendarbeit fördern.

Große programmatische Unterschiede waren zwischen den beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Lülsfeld, Erwin Fackelmann aus Schallfeld (Wählergemeinschaft Schallfeld) und Wolfgang Anger aus Lülsfeld (Unabhängige Wählergemeinschaft Lülsfeld) nicht zu erkennen. Die Bewerber präsentierten sich den Wählern bei zwei Veranstaltungen in den beiden Ortsteilen gemeinsam und im direkten Vergleich. Beide Wahlversammlungen – in Lülsfeld kamen 62, in Schallfeld 70 Bürger– verliefen weitgehend ruhig und fair.

In Lülsfeld erinnerte Reinhold Anger an die Zeit, als Erwin Fackelmann Gemeinderat war und das Schaffen des Baugebiets in Schallfeld absichtlich verzögert habe und die Zeit, als Fackelmann gleichzeitig FC-Vorsitzender war und ständig Zuschussforderungen an die Gemeinde stellte. Fackelmann entgegnete, das liege weit zurück und der FC habe damals Geld gebraucht.

Zu den Ausführen Fackelmanns wegen hoher Gemeindeschulden erklärte der noch amtierende Bürgermeister Robert Schemmel, die Schulden der Gemeinde in Höhe von 600 000 bis 700 000 Euro seien identisch mit den Auslagen für die Baugebiete in beiden Ortsteilen. Alles, was in den Vorjahren geschaffen wurde, wie das Rathaus und die zwei Feuerwehrhäuser, sei bezahlt, ergänzte Schemmel.

Bernhard Bedenk hakte bei den Kandidaten wegen einer Bemerkung Wolfgang Angers nach, es müsse verhindert werden, dass die Kernorte wegen leer stehenden Gehöfte ausbluten. Wolfgang Anger erklärte an Beispielen, wie alte Häuser saniert wurden. Auch Erwin Fackelmann meinte, das Altdorf müsse man im Auge behalten.

Wolfgang Anger will sich für alternative Energien einsetzen. Zu Bernhard Bedenks Frage nach konkreten Vorstellungen sagte Anger, er sei offen für jede Art neuer Energie.

Marlene Brigert erkundigte sich den Vorstellungen der Kandidaten für die künftige Jugendarbeit. Hier führte Anger aus, in Vereinen seien die Jugendlichen gut versorgt. Zudem würde er ältere Jugendliche suchen, die sich um jüngere führen könnten. Fackelmann erklärte: „Für die Jugend muss mehr gemacht werden, das müssen wir konkret ins Auge fassen.“

In Schallfeld wurde es nur an einer Stelle emotional: Franz-Josef Wehr fragte, wie es für Wolfgang Anger vereinbar sei, auf der einen Seite für die Zusammenführung der beiden Dörfer einzutreten und andererseits eine Spielgemeinschaft des SV Lülsfeld mit der DJK Rimbach einzugehen. „Ich habe dazu zweimal in Schallfeld angefragt“, verteidigte sich Anger. Der SV sei in einer personellen Notlage gewesen und hätte ohne Spielgemeinschaft den Spielbetrieb aufgeben müssen. Der Lülsfelder Spieler Martin Ament bestätigte außerdem, der Wunsch sei von Spielern ausgegangen und die Idee einer Spielgemeinschaft mit Rimbach nicht vom Vorsitzenden Anger ausgegangen.

Robert Sahlmüller erkundigte sich nach dem Zeitaufwand, den beide Kandidaten für das Bürgermeisteramt einzubringen gedenken. Erwin Fackelmann: „Ich werde in eineinhalb Jahren in den Ruhestand gehen und dann genügend Zeit haben.“ Wolfgang Anger: „Ich habe mit meinem Chef gesprochen und werde bei Bedarf freigestellt.“

Gerhard Dorsch-Werb befürchtet bei Anger einen Interessenkonflikt, wenn er gleichzeitig Bürgermeister und Vorsitzender des SV Germania und des Elisabethenvereins in Lülsfeld sein sollte. Dazu der 50-jährige Facharbeiter: Im Falle seiner Wahl werde er den Vorsitz beim Elisabethenverein sofort, den beim SV bei nächster Gelegenheit abtreten.

Während Wolfgang Anger das Ausbluten der Altorte durch gemeindliche Zuschüsse bei Neubauten im Dorfkern verhindern will, möchte es der 60-jährige Landwirtschaftstechniker Erwin Fackelmann eher als Vermittler versuchen. Ferner könne es die Gemeinde durch Gestatten von Nutzungsänderungen erleichtern, dass die Menschen im Altort bleiben.

Wer künftig die Arbeiten in Dorf und Flur machen soll, die bisher Robert Schemmel und sein Stellvertreter Alfons Vollmuth vorbildlich ausgeführt haben, wollte Günter Seufert wissen. Das werde auf der Basis des Maschinenrings so weitergehen, war sich Fackelmann sicher.

Uneins waren die Kandidaten bei der Bauschuttentsorgung: Während Fackelmann dafür ausgediente Silos in der Flur für Kleinmengen verwenden will, ist es in Angers Augen Aufgabe der Bürger, ihren Bauschutt zu Recycling-Firmen zu bringen, auch wenn das Geld kostet.

In ihren der Diskussion vorangehenden Beiträgen herrschte bei den Kandidaten weitgehende Übereinstimmung bei Themen wie Radweg nach Gerolzhofen, Spielplatzbau, Erhaltung des Schulstandorts Schallfeld und Dorferneuerung.

Detlef Triphan in Lülsfeld und Lothar Riedel in Schallfeld gaben jeweils zu Beginn eine Anleitung zum korrekten Ausfüllen der Stimmzettel bei der Kommunalwahl und fungierten als Versammlungsleiter. Dabei kamen auch die Zahlen der Wahlberechtigten in Lülsfeld und Schallfeld zur Sprache: In Lülsfeld sind es 347 und in Schallfeld 301.

Quelle: Mainpost

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